Espan-Verlag Kammerstein

Inhaber: Dr. Hans Nüchterlein             

#3. Johansen  Nüchterling (1289 - 1364),  Bürger und Schultheiß zu Freiburg/Breisgau 

Johansen wurde um 1289 als Sohn des Stadtrats und Badstubenbesitzers Rudolf Nüchterling in Waldkirch/Breisgau geboren. Urkundlich erwähnt wird er als Grunderwerber in Neuershausen am 30. Januar  und 15. Februar 1330;  hierbei wird berichtet, daß er aus Waldkirch/Breisgau stammt und Bürger zu Freiburg ist. Am 18. Juni 1330 ist weiterhin ein Kauf in Neuershausen dokumentiert, wobei gleichzeitig Erwähnung findet, daß seine Schwester Benigna Nüchterling ebenfalls Haus und Hof in seiner unmittelbaren Nachbarschaft besitzt . Es steht zu vermuten, daß Ende 1329  ihr Vater, Rudolf Nüchterling, verstorben ist und ihnen erhebliche Geldmittel vererbt hat. Auch für die Einbürgerung in Freiburg waren sicherlich größere Zahlungen erforderlich. Aus einer weitere Urkunde vom 14. September 1332  wird nahegelegt, wie weiter oben bereits ausgeführt, daß Johans Nyehterling (=Nüchterling) die Augustinerbrüder bei dem Rechtsgeschäft vertrat. Unter Heranziehen der Urkunden vom 26. Oktober 1374   ergibt sich, daß Hans Nüchterling in Freiburg Schultheiß, also Stadt- und Standesoberhaupt war. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat er dieses Amt nach 1349 angetreten. Während seiner Lebzeiten wurden die filigrane Einturmfassade der gotischen Pfarrkirche, dem Freiburger Münster,  fertiggestellt. Drei Jahrhunderte lang baute man am KFreiburger Münster - von 1200 bis 1513, von der Romanik bis zur Spätgotik. Man kann den Wandel der Stile jener Zeit gut verfolgen. Das Querhaus und die zwei "Hahnentürme" sind noch romanisch; gegen Westen wird es dann - bis zum Hauptturm - immer gotischer. Im Osten wurde zuletzt noch ein spätgotischer Chor dran gebaut; dies wurde während der Regentschaft von Hans Nüchterling als Freiburger Bürgermeister begonnen (1354). Vor seinem Amtsantritt kam es in Freiburg nicht nur zu einer Vielzahl schrecklicher Naturkatastrophen, sondern auch zu einer schrecklichen KJudenverfolgung. Am 25. November 1346 zerstörten heftige  Erdstössen die nahe Stadt Basel und gut ein Jahr später, im Januar 1348, spürten die Freiburger erneute Erdstöße und vernahmen  in den Gassen einen seltsamen Schwefelgeruch. Gleichzeitig mit dem Erdbeben bewegte sich eine weitere Gefahr auf Freiburg zu: zur Jahreswende 1348/49 erreichte die Pest den Oberrhein. Die Freiburger sahen anhand all dieser Katastrophen die Ankunft des Antichristen für gekommen und in den Juden die vermeintlich Schuldigen; sie drangen in das Judenviertel ein und nahmen alle Juden gewaltsam fest und verbrannten sie am 1. Februar 1349 auf dem Scheiterhaufen. Doch war der Grund für die Judenverbrennungen tatsächlich nur das Produkt der großen Angst vor dem Antichristen? Oder steckten auch handfeste finanzielle Interessen dahinter? Die Judenbrände hatten nämlich noch ein Nachspiel. Die Juden waren ja traditionell in viele Geldgeschäfte verstrickt. Viele Vertreter des Patriziat und der Zünfte waren bei ihnen tief verschuldet und hofften nun schuldenfrei zu werden. Der Stadtrat von Freiburg hatte allerdings beschlossen, daß von der Schuld der Bürger zwar jeweils 5 Pfund Pfennige erlassen würden, der Rest jedoch zum Nutzen der Allgemeinheit der Stadt zufließen sollte. Diesem Beschluß mußten nur noch die Zünfte ihre Zustimmung geben. Da der damalige  Schultheiß Johann Snewlin bei den Juden hochverschuldet war, hat er insgeheim gegen den Stadtratsbeschluß opponiert und versucht die Zünfte für sich zu gewinnen. Es kommt zu Unmut und ein Aufstand droht, angeführt von einem Zunftvertreter Namens Mattmann und Snewlin. Sie drohten dem Rat offen mit Gewalt und Aufruhr. Doch der Rat blieb hart! Sie nahmen die Rädelsführer Snewlin und Mattmann fest und bestraften sie mit 10 Jahren Stadtverweis. Es steht nun zu vermuten, daß Johansen Nüchterling unmittelbar nach dem Sturz von Ritter Johann Snewlin  1349 das Schultheißensamt übernommen hat, wohl als rechtschaffener führender Stadtrat, der sich erfolgreich gegen den Aufstand von Snewlin und Mattmann durchgesetzt hat. Freiburg war während seiner Regentschaft als Schultheiß noch keine frei Reichsstadt. Bis 1368 herrschte das Geschlecht der Grafen von Urach, die sich auch Grafen von Freiburg nannten. Die Freiburger erkauften sich nach dem Tod von Johannes Nüchterling (vor 1364) 1368 ihre Freiheit mit 15.000 Silbermark, die sie zuvor von den Habsburgern geliehen hatten. Als die Stadt die Schuld nicht zurückzahlen konnte, mußte sie sich unter die Herrschaft des Hauses Habsburg stellen.
 

 

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